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Antonios Welt

Archive:: Juli 2007

09/07/2007 GMT 1

Antonio Cascais berichtet:

antoniocascais @ 16:54

Thema: Diese Welt ist meine Welt - freier Journalist in Deutschland und Europa

Fortsetzung: Mein Einstieg in den Beruf des "Freien Journalisten" (Teil III)

Das Studium der Journalistik in Dortmund...

...hatte - wie alle Studiengänge - seine Highlights und Tiefpunkte. Es kommt halt darauf an, was man wirklich daraus macht: Wir durchschritten die tiefsten 80er Jahre: Endlose, von Alt-68ern geleitete Endlosdiskussionen über das Für und Wider der Computerisierung der Gesellschaft oder über die angeblichen (oder tatsächlichen?) Gefahren der Digitalisierung für die Demokratie, dann wieder unendliche Ausflüge in das "Mediensystem in der Weimarer Republik" - das waren die Tiefpunkte. Ich meine: das sind zwar interessante Themen. Aber die Qualität dieser Seminare ging kaum über das hinaus, was man sich auch selbst in der Bereichsbibliothek hätte erarbeiten können, wenn einen solche Themen wirklich interessiert hätten.

Andere Seminare haben mir in meinem späteren Berufsleben als Freier Journalist in Deutschland, in Europa (und in der Welt) wirklich genutzt und können im Nachhinein wirklich als Highlights bezeichnet werden: Ich denke da zum Beispiel, an das Fach Medienrecht, in dem wir auch schriftlich geprüft wurden. Die damals erworbenen Kenntnisse über Rechte und Pflichten eines Journalisten, über die Persönlichkeitsrechte derjenigen, über die wir tagtäglich berichten, helfen mir Heute noch, in Einzelfällen mutiger, bewusster oder auch sensibler und vorsichtiger mit Beiträgen und Berichten umzugehen. Unkenntnis über die juristische Lage zieht oft unangessenen oder "schmuddlige" Berichterstattung oder auch "Feigheit" in den Redaktionen nach sich. Auch die Seminare über "Ethik im Journalismus" haben mir sehr viel gebracht. Es ist sehr wichtig, sich in jungen Jahren mit ethischen Fragen auseinanderzusetzen. Im späteren Berufsalltag finden viele Journalisten dafür allzuoft keine Zeit mehr.

Was mir aber mindestens genauso geholfen hat, in den Beruf einzusteigen, waren die praktischen Seminare, die Praktika und das im Dortmunder Studium der Journalistik integrierte Volontariat.

(FORTSETZUNG FOLGT...)

http://www.antoniocascais.net

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04/07/2007 GMT 1

Antonio Cascais berichtet:

antoniocascais @ 16:01

Thema: Diese Welt ist meine Welt - freier Journalist in Deutschland und Europa

Fortsetzung: Mein Einstieg in den Beruf des "Freien Journalisten" (Teil II)

Der Öffentlich-Rechtliche Runkfunk: In den 80er Jahren hinterfragte niemand das deutsche Mediensystem

 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – in den frühen 80er Jahren gab es in Nordrhein-Westfalen noch keine privaten Hörfunk- oder Fernsehsender – war für mich etwas Erstrebenswertes, etwas, wo ich hinwollte. Ich wohnte damals in Dortmund und so war das WDR-Landesstudio Dortmund für mich eine scheinbar unüberwindbare Festung, in die man kaum hineingelangen konnte. Zumindest war das mein Eindruck, wenn ich an dem Gebäude vorbeifuhr: Das Pförtnerhäuschen, die Schranken, all die wichtigen Frauen und Männer, die da ein und aus gingen…

 

Meine Frage damals: Wie wird man Journalist?

 

Mit den damaligen Journalisten der Zeitung Ruhrnachrichten, wo ich damals noch als Schüler arbeitete, sprach ich über meinen Wunsch, den Beruf des Journalisten zu ergreifen. Diese Journalisten waren alle offensichtlich in den Beruf „reingerutscht“. Die meisten hatten nicht studiert, viele noch nicht einmal das Abitur. Sie hatten nach der Schule irgendwo in einem Verlag angefangen als Volontäre, sich dann hochgearbeitet zum Redakteur. Der damalige Lokalchef der Ruhrnachrichten – Harry Haffert, hieß er – sagte mir, ich müsste etwas anständiges studieren: Germanistik, Politik, Geschichte oder eine andere Geisteswissenschaft, Ich sollte parallel möglichst intensiv im Lokalen arbeiten, meine eigenen Geschichten recherchieren und aufschreiben. Die Reaktion „Auslandsberichterstattung“ sei nichts für junge Leute. Da würde im Prinzip nur das abgeschrieben, was von den Agenturen den Redaktionen geliefert würde. Richtig unterwegs – dort, wo etwas los ist, seien nur die wenigsten Journalisten. Wenn man also Journalist werden wollte, dann sollte man ein  wissenschaftliches Studium absolvieren, nebenbei in der Lokal- oder Stadtteilredaktion einer Tageszeitung arbeiten, und nach dem Studium ein Volontariat machen.

 

Von einem Journalistik-Studium, wie er an der Universität Dortmund angeboten wurde, riet er mir ab: Journalismus könne man nicht an der Universität lernen, entweder man sei als Journalist geboren oder nicht. Zwei, drei Jahre später begegnete ich Harry Haffert wieder: Am Institut für Journalistik der Universität Dortmund: Er war inzwischen als Gastdozent angeworben worden, einer der zahlreichen Männer und Frauen aus der so genannten journalistischen Praxis, die an der Uni Seminare für angehende Journalisten abhielten. Ich hatte inzwischen – unmittelbar nach dem Abitur – das Studium der Journalistik in Dortmund aufgenommen.

(FORTSETZUNG FOLGT...)

http://www.antoniocascais.net

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02/07/2007 GMT 1

Antonio Cascais berichtet:

antoniocascais @ 16:22

Thema: Diese Welt ist meine Welt - freier Journalist in Deutschland und Europa

Mein Einstieg in den Beruf des "Freien Journalisten"

Ich heiße Antonio Cascais und pendle als freier Journalist zwischen Köln, Brüssel, Lissabon und anderen (zumeist europäischen) Orten. Wie ihr meinem Namen entnehmen könnt, bin ich kein richtiger Deutscher. Ich bin 1972 - als siebenjähriger - aus Portugal nach Dortmund gezogen (worden).

Mit 20 machte ich das Abitur, wusste aber schon mit 11 oder 12, was ich später beruflich machen wollte: Ich wollte Journalist werden. Ich wollte die Welt sehen - nicht nur die weite Welte, sondern auch meine unmittelbare Umwelt - und ich wollte meine Umwelt beschreiben. Ich wollte die Welt verändern. Und ich wollte es nicht mit Gewalt tun, sondern mit Worten, mit Argumenten, die ich irgendwo - ich wusste damals noch nicht so richtig wo - veröffentlichen wollte.

Persönlicher Werdegang

Als Schüler hörte ich gebannt Radio, vor allem die aktuellen Informationsbeiträge für das Morgen- oder Mittagsmagazin des Westdeutschen Rundfunks faszinierten mich damals. Was mich am meisten faszinierte, waren die Berichte aus fernen Städten und Ländern, aus dem Ausland; Reportagen, die Journalisten aus New York oder Moskau, aus Nairobi oder Amman dem WDR nach Köln übermittelten.

"Das war Marcel Pott aus Amman über den arabisch-israelischen Konflikt. Danke Schön aus Köln", sagte eine coole Moderatorinnenstimme... Was diese Leute damals sagten wurde gehört, es zählte, es war unheimlich wichtig... Ich wusste: Ich wollte eines Tages auch ein wenig mitmischen, mich einmischen, viel reisen, mit Leuten reden, nachdenken und meine Gedanken der Menschheit mitteilen.

Mit 18 fing ich an, für die Ruhrnachrichten - die auflagenstärkste Tageszeitung in Dortmund - zu arbeiten. Meine ersten Arbeiten: Kurze, manchmal nur zwei Zeilen umfassende Meldungen (die sogenannten 'was und wo's'), Veranstaltungshinweise, die in der Stadtteilbeilage Dortmund-Nordost erschienen. Nach einiger Zeit durfte ich dann die ersten eigenen kleinen Reportagen erstellen. Ich erinnere mich ganz genau an die Themen: Einweihung eines neuen Chemieraums in einem Gymnasium in Dortmund-Asseln; Schützenfest in Dortmund-Brackel; Porträt eines Ehrenpräsidenten des sauerländischen Gebirgsvereins aus Dortmund-Hörde... Ich war verdammt aufgeregt, wenn ich mit meinem Auto zu den Terminen fuhr und mich vor Ort mit dem Fotografen der Ruhrnachrichten traf und dann von dem Gastgeber der Veranstaltung begrüßt wurde. In solchen Momenten kam ich mir unheimlich wichtig vor und war sehr stolz auf mich. Noch stolzer wurde ich wenn meine kleinen 30- oder 60-Zeilen-Geschichten abgedruckt in der Stadtteil-Zeitung erschienen, manchmal sogar mit meinem Namen, auch wenn ich dafür nur zwischen 40 und 60 Pfennig pro Zeile bekam...

(FORTSETZUNG FOLGT...)

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